Microsoft Virtual Earth vs. Google Maps (und eine andere Alternative) aus Entwickler- und Anwendersicht

Google hat mit seinem Kartendienst in diesem Jahr sehr viel bewegt – viele Mashups nutzen Google Maps und wenn man mal kurz eine Adresse nachschlagen will, nutzen viele Google Maps. Microsofts Virtual Earth fristet eher ein Schattendasein. Ob dies berechtigt ist oder nicht, möchte ich einfach mal an einigen Gesichtspunkten zeigen, welche für den normalen Anwender wichtig sind und auch für einen Entwickler.

 

Startseite – der erste Blick zählt

Da der berühmte erste Blick entscheident ist, vergleichen wir einfach mal den Aufbau beim betreten der beiden Kartendienste:

Virtual Earth:

image

Das Design ist an andere Windows Live Dienste angepasst und erstrahlt in einem bläulichen Ton.
Auf der linken Seite gibts ein Teil für die Eigenwerbung. Ansonsten ist es recht aufgeräumt.

Die Karte ansich ist in einem beigen Ton gehalten und – der hässlichste Punkt an Virtual Earth: In englisch! Wann bitte fixt Microsoft mal diesen Bug? Ich hätte gern die Städtenamen und Ländernamen in deutsch.

Die Eingabemaske:

image

Vorangewählt ist hier der Punkt “Unternehmen” mit der man z.B. Pizza in Dresden suchen kann. Den Punkt “Unternehmen” zu nenne halte ich persönlich für nicht wirklich gelungen und diesen Punkt auch noch vorauszuwählen finde ich auch nicht wirklich praktisch. Ich denke, die meisten Leute wollen wissen, wo ein Ort ist.

Allgemein ist das vielleicht auch keine so gute Idee von Microsoft gewesen, die Suchmaske so an der Seite zu verstecken – eine Position mehr in der Mitte wäre sicherlich “cleverer”.

Google Maps:

image

Google Maps erstrahlt im Google Style mit schlichtem Design.
Auf der linken Seite ist hier ebenfalls etwas Blabla zu finden.

Die Karte ist in freundlicheren Weiß und Blau gehalten und es steht auch “Deutschland” und “München” und nicht “Germany” und “Munich” da.

Die Eingabemaske:

image

Google üblich sehr schlicht und trotzdem sehr gut. Hier ist diesmal “Karte durchsuchen” vorangewählt.

Ergebnis:

Google Maps ist etwas “durchdachter” und die Karte wirkt freundlicher. Hier punktet Google.

 

Suchresultate

Was findet welche Suchmaschine besser? Hier mal ein einfacher Test:

Virtual Earth

Die Suchanfragen an Virtual Earth muss wirklich sehr genau sein, ein “Riesaer Straße 5 Dresden” versteht er nicht, erst nachdem man ein Komma vor Dresden macht, erkennt er es.
Die Suchanfragen sollten genau so eingegeben werden:
Straßenname (optional), PLZ oder Ort.

Gebe ich jetzt “Dresden, Riesaer Straße 5″ ein, schlägt mir VE folgende Sachen vor:

image

Über den Sinn und Unsinn kann man hier streiten.

Google Maps

Es ist egal, wie ich “Riesaer Straße 5, Dresden” schreibe – ob mit Komma oder Dresden vor der “Riesaer Straße” – ich komme immer am Ziel an.

Ergebnis:

Da VE hier schwächen zeigt, punktet auch hier wieder Google.
(ich hab noch andere Tests der gleichen Art gemacht und das Ergebnis war ca. immer das gleiche)

 

Kartenqualität

Die Straßenangaben etc. werden bei beiden wahrscheinlich ähnlich gut sein, vielleicht bei Microsoft durch die Jahrelange Erfahrung mit MapPoint sogar noch ein Fünkchen besser, aber wie gut sind denn die Sateillitenaufnahmen?

Virtual Earth:

Beispiel 1: Dresden

image 
Näher ran geht es leider nicht.

Beispiel 2: Berlin

image
Wie in Dresden, geht es auch hier nicht näher ran.

Beispiel 3: München

image
Selbes “Problem” auch in München.

Google Maps:

Beispiel 1: Dresden

image 
Man kann sehr weit ranzoomen, bis man einzelne Passanten erkennt.

Beispiel 2: Berlin

image 
Ebenfalls sehr gut.

Beispiel 3: München

image

Ergebnis:

Google liefert hier eindeutig bei den Beispielen das bessere Bild ab – auf dem Land hat Google zwar auch hin und wieder seine Schwächen (und vom “Alter” des Bildes nicht gesprochen), aber trotzdem besser als Virtual Earth.

Sonstige Funktionen

Virtual Earth:

Routenplaner:
Der Routenplaner verweisst auf eine alte MSN Seite und sieht sehr bescheiden aus:

image

“Bird´s Eye”:
Diese Funktion hat nur Microsoft und finde ich persönlich eine sehr gute Idee. Es zeigt einige Städte in einer Vogelperspektive und wurden von einem Flugzeug aufgenommen. Die Bilder sind daher auch deutlich besser als Satellitenaufnahmen:

image

3D:
Die 3D Funktionalität gibts als Browser Addon (für den IE, FF weiß ich jetzt nicht). Leider ging bei mir die Installation immer wieder schief, sodass ich es aufgab. Zudem finde ich es generell eine ungünstige Idee, sowas in den ohnehin bereits überladenen IE mit reinzuimplementieren.

Google Maps:

Routenplaner:
Der Routenplaner greift auf die selben Kartendaten zu und ist auch sonst sehr praktisch.

Google Earth:
Das Desktopprogramm von Google bietet einige nette Features (z.B. 3D) die über die Fähigkeiten von der Online Variante geht.

Ergebnis:
Der Routenplaner von Google ist eindeutig schicker, aber die Bird´s Eye Funktionalität ist in Virtual Earth sehr schön. Durch Google Earth hat Google ein nettes Desktop Programm entwickelt, welches noch einige nette Spielerein mitbringt – hier Punkte VE für die Bird´s Eye Funktionalität und Google für die anderen beiden Punkte.

APIs – Der Stoff für die Entwickler

Virtual Earth:

Microsoft hat ein interaktives SDK für VE hier bereitgestellt:
The Virtual Earth Interactive SDK

Die API gibt sonst auch sehr viel her, das Kernproblem liegt aber in den Suchalgoryhtmen von Virtual Earth bzw. dessen schlechtem Bildmaterial.
Ich habe mich bei diesem HowTo mit Virtual Earth beschäftigt.

Das Gute an Virtual Earth: Es fällt keine Registrierung an.

Hier 3 Blogempfehlungen von mir zum Thema Virtual Earth:

Auf der MSDN gibt es auch noch ein Webcast zum Thema Virtual Earth:

Google Maps:

Google stellt unter seiner Code Seite die Maps API vor. Die Dokumentation ist sehr gut gemacht und wird ständig erweitert. Google selbst liefert noch einige Tutorials und Artikel. Im Internet gibt es zudem sehr viele Informationen über die Google Maps API,  ich selber habe in einem kleinen HowTo über die Grundvoraussetzungen geschrieben.
Google Maps verlangt eine Registrierung und ab 50.000 Geocoding Requests wird Google wohl eine Email schreiben ;)

Fazit

Google Maps ist bei Bildqualität und Suchergebnissen klar besser als Virtual Earth. Ich als etwas Microsoft behafteter Entwickler gebe den Microsoft Pendaten meisten noch eher eine Chance als der “normale” Benutzer, aber bei Virtual Earth fehlt noch einiges. Das die Karte etwas “altbacken” aussieht, ist nur ein kleiner Punkt. Am meisten stört mich, dass immer noch “Germany” drüber steht und nicht “Deutschland” – den Suchalgorythmus muss Microsoft auch noch stark verbessern.

Von der API her sind beide gut einsetzbar. Wenn man Virtual Earth profesionell Einsetzen möchte, denke ich jedoch, dass Microsoft sehr schnell reagieren kann, weil es ihnen einfach an guten Referenzen in Europa / Deutschland fehlt. Über meine Arbeit habe ich jedenfalls bisher einen guten Eindruck von Microsoft bekommen, wenn es darum ging, Virtual Earth irgendwo einzusetzen.

Wenn Microsoft jetzt noch die Bildqualität, Suchergebnisqualität und allgemein am Design feilt, wird es vielleicht auch für den normalen Benutzer interessant – die Bird´s Eye Funktion ist auf alle Fälle sehr schick.
Google Maps und dessen API ist sehr beliebt, sodass man viele gute Quellen findet und Google mit Qualität überzeugt.

Was soll man nun nehmen?

Wer gern im Microsoft Umfeld rumspielt, der wird wahrscheinlich mal Virtual Earth probieren. Bei privaten Projekten sollte man das nehmen, was am meisten Spaß macht.
Im professionellen Umfeld sollte man nach den Preisen fragen und abwägen, was günstiger ist – auch in Hinblick auf Support von Google oder Microsoft.

Alternativen

Eine Alternative die ich mir noch nicht angeschaut habe, ist Yahoo Maps. Eine interessantere Alternative ist jedoch Map24. Map24 bietet ebenfalls ein SDK an. Es gibt einmal eine AJAX API, einmal pur als Webservice, für C++ oder Java etc.
Map24 bietet zwar keine Satellitenkarten, allerdings sind diese in einigen Fällen auch nicht nötig.

Map24 SDK erlaubt z.B. multiples Routen, das man z.B. 5 Routen gleichzeitig auf der Karte angezeigt bekommt. Auch hat es noch einige weitere Straßeninformationen gespeichert, z.B. kann man angeben, ob die Strecke für ein LKW oder PKW berechnet werden soll – da spielen z.B. Brückenhöhen eine Rolle.
Map24 ist daher eine interessante Alternative wenn es um Flottenmanagement geht. (das dies wahrscheinlich auch mit Microsofts Virtual Earth oder Google Maps geht, möchte ich nicht bezweifeln, allerdings steht es erstmal nicht in der API drin). Eine Information noch zu Map24: Wenn man dies einsetzt, hat man am Ende meist ein Java-Applett, anstatt normalen HTML / AJAX wie bei MS oder Google.

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