Cloud Computing vs. “traditionelle” Hoster für eine Web-App

Die Cloud ist das Thema schlechthin und es scheint auch so, dass plötzlich jeder eine Anwendung in der Größe von Facebook plant. Amazon senkt immer mehr die Preise und Windows Azure zieht natürlich nach.
Allerdings stell ich mir als Web-Entwickler die Frage:

Lohnt Cloud Computing eigentlich zum Hosten meiner Anwendung?

Es gibt gute Gründe dafür: Skalierbarkeit, “Pay-as-you-go”, Flexibilität und je nach Anbieter muss man sich auch keine großen Gedanken rund um Wartung des Systems machen – alles super. Allerdings sollte man sich auch Fragen: Brauch ich das überhaupt und was kostet das? Ausgangspunkt von dem Post war die kürzliche Preissenkung bei Azure und der Satz:

“With these changes, a 24×7 Extra Small Compute instance with a 100MB SQL Azure DB costs less than $20 per month.

Eine “Extra Small Compute instance” wird aktuell von Microsoft so beschrieben:

image

 

 

 

 

 

 

 

Vorsichtig ausgedrückt: Die Extra Small Instance ist kein Kraftpaket.

Jetzt schauen wir mal bei einem “traditionellen” Hoster wie z.B. Hetzner. Der Vergleich ist nicht ganz fair, weil man natürlich noch bei Hetzner eine Windows Lizenz brauch und ich jetzt auch die SQL Datenbank nicht eingerecht habe, aber seis drum:

image

 

 

 

 

 

Hardware-Vergleich

image

Die Hetzner Kisten sind ziemliche Kampfmaschinen. Mir fällt keine Anwendung ein die ich bislang gebaut habe, die auch nur annäherungsweise den Prozessor, RAM oder den Festplatten Platz wirklich ausgereizt hätte. Natürlich ist es manchmal auch absolut sinnvoll mehrere kleine Maschinen zu haben anstatt eine große, aber wenn man rein die monatliche Hosting-Kosten für eine angemessene Hardware gegenüberstellt, dann gewinnt vermutlich immer der Hoster.

 

Das “Cloud Computing Gefühl”

Seine Anwendung auf Azure oder AppHarbor zu packen hat natürlich irgendwie einen “entspannenden” Effekt: Jemand kümmert sich darum, dass die Server laufen und das man rein theoretisch sogar noch eine andere Kiste schnell dazuschalten kann. Auch Backups werden gefahren – bei Hetzner muss man sich da ein etwas größeren Kopf machen.

Und… Cloud Computing ja oder nein?

Wie immer: Kommt drauf an.

Ich als Web-Entwickler würde jetzt kaum mein Blog oder meine privaten Mini-Anwendungen auf Azure oder Amazon hosten, weil es einfach für mich zu teuer ist und ich diese “Skalierbarkeit” auch garnicht brauche. Einen Server zu warten ist auch keine Hexerei.
Wenn man natürlich plötzlich über Nacht eine Anwendung hat, welche Millionen Leute aufrufen, dann hätte man ein ein Problem, allerdings soll das ja nicht allzu oft vorkommen ;)

Spannend auch zu lesen, warum Stackoverflow nicht in der Cloud ist.

Bei der Entscheidung sollte man sich allerdings fragen: Benötige ich das? Welche Vorteile und welche Nachteile bringt es mir? Muss ich evtl. meine Anwendung für die “Cloud” anpassen? Was ist mit einem “Vendor-lock”?  Aus Sicht eines Unternehmens fallen einem da noch dutzende andere Fragen ein.

Wer hingegen wirklich nur einen kleinen Server braucht, weil er einen Webservice für seine Phone Apps bereitstellen möchte, der wäre evtl. natürlich auch bei Hetzner überfordert – aber Amazon und AppHarbor bieten auch kostenlose Instanzen ;)

Anregungspunkt: Trotz des riesen Marketing rund um die große Cloud gibt es natürlich noch andere Wege seine Anwendung zu hosten mit wesentlich mehr “Hardware-Leistung pro Euro”. IMHO erst wenn man wirklich “Skalierungsprobleme” bekommt, sollte man sich die Frage stellen, ob man auf einen der großen Cloud Provider gehen möchte oder nicht. Alles hat seine Vor- und Nachteile.

Wenn dir der Blogpost gefallen hat, dann hinterlasse doch einen Kommentar. Wenn du auf dem Laufenden bleiben willst, abonniere unseren RSS Feed oder folge uns auf Twitter.

About the author

Written by Robert Mühsig

Hi, ich bin Robert Mühsig und bin Webentwickler und beschäftige mich mit Web-Frameworks auf dem Microsoft Web Stack und scheue mich auch nicht vor Javascript. Der Blog begann als "Problemsammelstelle und Lösungshilfe" und seitdem schreibe ich hier alles auf. Seit 2008 bin ich Microsoft MVP für ASP.NET. Treffen kann man mich online via Twitter (@robert0muehsig) oder hier.

3 Responses

  1. Azure war in der letzten Woche für 1,5 Tage in Europa down und ich als Kunde war absolut machtlos. Ich konnte nur abwarten und hoffen, dass es irgendwann wieder geht. Dazu kommen täglich bis zu 5 Exceptions aus meiner Azure WebApp auf Grund von Verbindungsproblemen innerhalb des Azure Rechenzentrums.
    Diese Erfahrung zeigt, das Azure in Sachen Stabilität und Ausfallsicherheit in kleinster Weise punkten kann.
    Wenn ich in nächster Zeit wieder vor die Wahl gestellt werde, wo ich meine Anwendung hosten soll, würde ich mich für einen virtuellen Windows-Server zum Beispiel bei Strato entscheiden. Da hab ich nur gute Erfahrungen gemacht was Performance und Stabilität angeht.
    Wenn ich doch mal nach oben skalieren muss, kann ich innerhalb weniger Stunden die Webseite auf einen anderen Server umziehen. Wie du schon geschrieben hast, ist das kein Hexenwerk.

    Reply
  2. Das mit einem Ausfall wie bei Azure kann bei einem normalen Hoster allerdings auch passieren und dann ist man genauso machtlos, es sei denn, es ist ein kleiner Hoster wie hier in Nürnberg die M-Net und man kennt die Leute.

    Kontra “Wolke”: einige rechtlichen Fragen sind IMHO immer noch nicht “ordentlich” geklärt, beim Barcamp 4 vor kurzem in Nürnberg habe ich nochmals mit Jungs von Microsoft darüber gesprochen, die Aussagen waren leider immer noch “schwammig”, allerdings benutzt Lexware inzwischen ja Azure…

    Kontra “Wolke”: wir haben bei unseren eigenen Sachen im angemieteten Rack noch ne eigene Firewall vorgeschaltet, die z.B. einen Tunnel ins Büro und zusätzlich Remote-Zugriffe auf bestimmte Dienste (RDP, SQL und VNC manchmal) nur von bestimmten IP-Adressen oder Domains auf einzelne Server zulässt.

    Pro “Wolke”: ich brauche mich nicht um Betriebssystem- und Datenbank-Lizenzen kümmern. Oder andersrum: eigener Server: ich habe hohe Anfangsinvestitionen in Lizenzen, “Wolke”: ich zahle das sozusagen “nach Bedarf”. Wenn ich mit dem SQL Express auskomme, egal, brauche ich aber auch nur evtl. oder wegen Features den “Großen”, dann ist das schon ein Argument…

    Reply
  3. Eine dritte Herangehensweise: EC2 kennt Windows-VMs und dort kann man skalieren. Man kann bei Hetzner Anfangen und bekommt das Beste Preis-Leistung Verhältnis. Gerät man in die Verlegenheit regelmäßig für Wochenende oder Weihnachten das X-Fache an Leistungen zu benötigen, könnte man ohne Technologie Anpassungen zu EC2 wechseln.

    Reply

Comment on this post

Letzte Posts

  • image.png
    IIS & Windows Authentication – Troubleshooting mit Negotiate & NTLM

    Windows Authentifizierung ist eine einfache (und naheliegende) Authentifizierungs-Option für “Haus-interne” Webapplikationen. Setup Im IIS selbst kann man die Windows Authentifzierung sehr leicht anschalten: Natürlich kann man dies auch über die web.config steuern: <system.web> ... <authentication mode="Windows"/> ... </system.web> ... Fehlermeldung “HTTP Error 401.2 – Unauthorized”: Dies kann (wie fast immer) viele Gründe haben, z.B. weil ...

  • image.png
    Json-Online-Tools: Viewer & Json2Csharp Generator

    Wo APIs im Spiel sind, ist das JSON Format nicht weit. Da ich immer mal wieder zwei Tools benutze, möchte ich diese hier auch mal kurz würdigen. JSON Viewer Wer nur den JSON-Text vor sich hat sieht meist die Struktur nicht. Über JSON Viewer kann man sich recht einfach einen Überblick verschaffen: [URL] JSON2CSharp Der ...

  • image.png
    Tools & Vorgehen für Entwicklung rund um OpenXml oder wie erstelle ich Office Dokumente mit .NET?

    Durch meine Tätigkeit bei der  OneOffixx AG habe ich recht tiefe Einblicke in die Erstellung von Microsoft Office Dokumente mit .NET bekommen. Da das Problem “Office Dokumente per Code” zu erstellen recht verbreitet ist, schreib ich mal Empfehlungen für die ersten Schritte. Must Have Tools Ganz klar sollte man das Office in der jeweiligen Version ...

  • image.png
    Windows Phone SDK- & “System”-Icons

    Zwar legt das Metro Design viel Wert auf Typografie – jedoch sind auch Icons sehr wichtig. Wer das Windows Phone SDK installiert hat, bekommt 36 Icons mitgeliefert. Diese sind unter diesem Pfad zu finden: C:\Program Files (x86)\Microsoft SDKs\Windows Phone\v8.0\Icons Viele Icons, welche man von den eingebauten Anwendungen kennt, sind allerdings nicht enthalten. Pedro Lamas hat ...

  • image.png
    Wie finde ich heraus ob mein ADFS 2.0 funktioniert?

    Ich hatte mich recht lange mti dem Thema ADFS 2.0 (“Active Directory Federation Services”) beschäftigt und da kam die recht einfache Frage auf: Wie stelle ich fest ob die Verbindung zwischen ADFS und AD “funktioniert”? Hier eine simple Variante es zu testen… Was ist ein ADFS überhaupt? Wenn man über AD-Grenzen hinweg “Vertrauensstellungen” braucht, dann ...

Unterstützt von…

Facebook