Für absolute ASP.NET MVC Neulinge: MVC Music Store & warum man es nicht al Best Practices verstehen sollte
Wer mal in die ASP.NET MVC Entwicklung reinschauen möchte, der kann sich von Microsoft das Nerddinner und seit neustem auch den MVC Music Store samt PDF Anleitung anschauen. Allerdings ist die Anwendung mit Vorsicht zu genießen und IMHO nicht als Best Practices zu verstehen.
Laut Projektbeschreibung (“MVC Music Store is a tutorial application built on ASP.NET MVC 2. It’s a lightweight sample store which sells albums online, demonstrating ASP.NET MVC 2′s productivity features and data access via Entity Framework 4. See what you can do with MVC 2 in under 1000 lines of c# code!”) soll dieses Sample die “Produktivitätsfeatures” von ASP.NET MVC 2 zeigen. Mehr aber auch nicht.
Warum es nicht als Best Practices zu verstehen sein soll/sollte:
- Keine Unit Tests
- Leider spricht Microsoft viel zu häufig von Testbarkeit anstatt mal ein gutes Sample zu erstellen
- Die Controller enthalten DB/Repository Logik. Abfragen werden dort direkt gegen den Entity Framework Context gemacht. Das ist nicht schön und ist auch für die Testbarkeit der Super GAU.
- Fehlerbehandlung/Logging/Dependency Injection: Fehlt alles komplett.
- Lokalisierung: Fehlanzeige
- Profildaten speichern? MIt der (fragwürdigen) Profile API oder wie? Hier wird kein Ansatz gezeigt.
- Ayende hat sich die Anwendung in Hinsicht auf die Performance/Skalierbarkeit angeschaut: Da geht auch noch was.
IMHO ein netter Showcase was man in ein paar Stunden sicherlich zusammenbasteln kann, mehr aber auch nicht. Wie ein typisches Microsoft Sample halt ist – es zeigt recht gut die einfachen Anfänge, leider aber nicht die Feinheiten wenn es wirklich schwierig wird.
Wer sich die Funktionsweise von ASP.NET MVC 2 anschauen will, kann einen Blick reinwerfen, aber bitte nicht alle Konzepte übernehmen, sondern mit etwas Weitsicht handeln







Bernhard
18. May 2010
tja. leider ist dies ein häufiges Problem mit den Sample-Codes, wie ich auch schon mehrfach festgestellt habe. Die Beispiele sind auf ein mimimum reduziert und meist jenseits von gut strukturierter Software. Dennoch werden diese als Maßstab von vielen Entwicklern verwendet.
Das Ergebnis: Alter Wein in neuen Schläuchen.
Robert Baminger
18. May 2010
Hallo Robert,
hast Du vielleicht eine kleine Liste von Anwendungen (wenn auch nur eine einzige) die als Best Practices durchgehen???
Bis jetzt gibt es ja wirklich nur Nerddinner und Co. die aber alle nichts taugen!
Vielen Dank!
MfG
Robert
GENiALi
18. May 2010
Gbit es den irgend wo ein Beispiel das man mit gutem Gewissen als “Best Practices” nutzen/anschauen kann?
Robert Mühsig
18. May 2010
Wenn ich eine richtig tolle Anwendung finde, sag ich bescheid :/ Ich such mir das Wissen aus diversen Blogs zusammen. Evtl. kommt das CodeCampServer Projekt dem am nächsten: http://codecampserver.codeplex.com ,dass hab ich mir aber noch nicht angeschaut – vielleicht mach ich das jetzt mal bei Gelegenheit
René Kuss
18. May 2010
Das diese Anwendung nicht als Best Practices zu verstehen ist, ist wohl jedem “Entwickler” klar. Ich denke es wäre wohl auch etwas zu much, wenn man bei jedem kleinen Tutorial immer gleich eine testgetrieben mehrschichtige Anwendung mit allem drum und dran bau. Tutorials sollen einzelen kleine Punkte beleuchten.
@Bernhard: Ich denke wer solche Samples als Maßstab nimmt, kann wohl kaum als Entwickler bezeichnet werden. Ich denke wir müssen nicht immer alle Hobbycoder und Fachleute in einen Topf werfen.
Robert Mühsig
18. May 2010
Es gibt in unserer Branche sehr viele “pragmatische” Entwickler und wenn jetzt Microsoft solch ein Sample macht, dann werden einige Sachen als “Best Practices” hingenommen. Die Anwendung geht und das bei minimalen Code und sieht sogar schick aus -> Kann also ja garnicht so verkehrt sein
Das man natürlich mit kleinen Tutorials einfach mal die Technologie zeigen will ist sehr gut. Das Problem was ich darin sehe ist, dass Microsoft quasi am laufenden Band solche Samples bastelt, aber nie ein komplexeres Szenario sauber mit ihrer Technologie durchzieht. Das muss keine Mondrakete werden, aber etwas ausgefeilter wäre wünschenswert.
René Kuss
18. May 2010
@Robert
Da stimme ich Dir zu. Mir würde es auch gefallen, wenn Microsoft bei neuen Technologien wenigstens ein “real world” Sample bereit stellt. Die Ressourcen dazu sollten dort ja vorhanden sein
Aber das ist leider nicht nur bei solchen Samples der Fall. Selbst in Fachbüchern wird meistens nur ein Thema komplett beleuchtet und vieles andere mal schnell schnell dazu geworfen. Ich denke hier hat die Community vielleicht noch einiges zu tun. Wenn man sich den Java Bereich anschaut, sieht es dort nicht viel anders aus. Von Sun kommen nur Spezifikationen und viel heisse Luft. Aber dafür kommt dort aus der Community sehr viel (siehe Apache Foundation).
Sebastian
18. May 2010
Ein guter Hinweis, der gerade für Einsteiger in das Thema MVC2 wichtig ist. Denn viele Neulinge denken, genau das, was Robert auf Renè Kuss antwortet.
Rookian
25. May 2010
Der CodeCampServer ist aus meiner Sicht aufjedenfall eine Architektur die sehenswert ist. Es gibt sowohl Unit- als auch Integrationstests. Es kommt als IoC Framework Structuremap zum Einsatz. Sehr interessant ist die Verwendung von AutoMapper. Dies ist ein Objekt-zu-Objekt Mapper mit dem das Domainmodell und Präsentationsmodell verknüpft wird.
Ebenso kommt es zum Einsatz einer RulesEngine, die ich aber leider noch nicht ganz durchschaut habe xD
Aber die Controller sind äußerst schmal gehalten, sehr genial
Marius Schulz
27. June 2010
@Robert: Oben schreibst du von der “fragwürdigen Profile API” ”” wie sieht denn eine Alternative aus?
Robert Mühsig
27. June 2010
Hallo Marius,
ich vermeide es die Membership/Roles/Profiles APIs zu benutzen.
Gründe:
a) es ist umständlich von einer UserID auf bestimmte Properties zu gehen (Membership.GetUser(…) ProfileCommon bla = new …
b) ich die Controls sowieso nicht nutze
c) ich mich mit der API allgemein nie angefreundet habe und das begrenzte Set an Methoden mich auch nicht glücklich macht, daher bau ich ohnehin meinen eigenen UserService etc.